ChatGPT, Claude oder Gemini? Die Aufgabe entscheidet, nicht das Modell
Welche KI ist die beste? Meine ehrliche Antwort: Für die meisten Aufgaben von Selbstständigen nehmen sich ChatGPT, Claude und Gemini kaum etwas. Wichtiger ist die Frage davor: Was willst du eigentlich lösen? Manchmal ist die Antwort gar kein Chatbot.
Die Kurzfassung
- Die drei wechseln sich immer wieder mit dem stärksten Modell ab. Für Texte, Zusammenfassungen und Ideen liefert jedes von ihnen brauchbare Ergebnisse.
- Erst kommt die Aufgabe: reine Automation, ein kleines Skript, eine KI-Automation oder ein Chat-Assistent?
- Welches Modell du nimmst, entscheiden dann ein paar harte Fakten: deine Tools, deine Daten, dein Team.
- Bei allen drei kannst du abschalten, dass deine Chats zum Training genutzt werden.
Erst die Aufgabe, dann das Werkzeug
Bevor es um Modelle geht, schaue ich mir an, was du machst und was sich bei dir wiederholt. Daraus ergibt sich, welcher von vier Wegen passt:
Reine Automation
Wenn jedes Mal dasselbe passiert: Daten von A nach B übertragen, eine Rechnung erzeugen, eine Erinnerung verschicken. Dafür gibt es Automationswerkzeuge wie n8n, oft braucht es dabei gar keine KI.
Ein kleines Skript
Wenn ein Handgriff immer gleich ist, aber kein großes System braucht. Mit Kamil habe ich zum Beispiel Skripte entwickelt, die wiederkehrende Arbeitsschritte in After Effects automatisch erledigen. Laut seiner Bewertung spart er damit mindestens 15 Prozent Zeit pro Projekt. Solche Skripte kann dir eine KI heute oft selbst schreiben.
Eine KI-Automation
Wenn ein Ablauf an einer Stelle etwas verstehen oder formulieren muss: eine Anfrage einordnen, einen Antwortentwurf vorbereiten. Die KI ist dann ein Baustein im Ablauf, nicht der ganze Ablauf.
Ein Chat-Assistent
Wenn du denkst, schreibst und überarbeitest: Angebote, Konzepte, Nachbereitung. Hier arbeitest du direkt mit ChatGPT, Claude oder Gemini, am besten mit festen Vorgaben statt jedes Mal mit einem neuen Prompt.
Die Frage nach dem Modell stellt sich also vor allem beim vierten Weg, teilweise beim dritten. Bei den ersten beiden spielt sie kaum eine Rolle.
In der Praxis ist es oft eine Mischung. Der Hochzeitsfotograf Euripidis hat mit meinem Coaching in rund zwei Wochen vier Websites, ein System für Rechnungen und Buchungen und ein Setup für Google Ads gebaut. Claude war dabei sein zentrales Werkzeug, für die Rechnungen kam ein kleines Python-Skript dazu. Gebaut hat er alles selbst.
Warum das Modell meist zweitrangig ist
ChatGPT, Claude und Gemini überholen sich gegenseitig, immer wieder. Wer heute vorn liegt, ist es in ein paar Monaten vielleicht nicht mehr. Für typische Aufgaben von Selbstständigen, also Texte, Zusammenfassungen, Ideen und Struktur, liefern alle drei brauchbare Ergebnisse. Den Unterschied machen meist deine Vorgaben.
Bau deine Abläufe deshalb so, dass du das Modell wechseln kannst: Deine Vorgaben, Beispiele und Prüfschritte gehören dir, nicht dem Tool.
Die harten Fakten, an denen sich die Wahl entscheidet
Mit welchen Tools arbeitest du schon?
Alle drei lassen sich mit Programmen verbinden, mit denen viele Selbstständige täglich arbeiten, aber auf unterschiedliche Weise:
- Gemini ist je nach Workspace-Tarif direkt in Gmail, Docs und Sheets eingebunden. Du arbeitest also im Mail-Programm oder im Dokument selbst.
- Claude verbindet sich über Konnektoren mit Gmail, Google Kalender und Google Drive. Laut Anthropic steht das allen Nutzern offen.
- ChatGPT holt sich Inhalte über verbundene Apps, etwa aus Google Drive oder Slack. Was verfügbar ist, hängt laut OpenAI von Tarif und Region ab.
Prüf vor dem Abschluss, ob das Tool die Programme anbindet, mit denen du wirklich arbeitest.
Welche Daten sollen hinein?
Bei allen drei kannst du festlegen, ob deine Chats zum Training der Modelle genutzt werden. So steht es in den Hilfeseiten der Anbieter:
| Tool | Einzelkonto | Business-Tarife |
|---|---|---|
| ChatGPT | Einstellung „Improve the model for everyone“ ausschalten (Settings, Data controls) | laut OpenAI standardmäßig kein Training |
| Claude | Einstellung „Model Improvement“ ausschalten (Privacy Settings) | laut Anthropic standardmäßig kein Training |
| Gemini | Einstellung „Keep Activity“ ausschalten. Chats bleiben dann noch 72 Stunden gespeichert. | laut Google kein Training ohne Erlaubnis (Google Workspace) |
Achtung beim Daumen: Gibst du bei ChatGPT oder Claude per Daumen hoch oder runter Feedback, kann laut beiden Anbietern das ganze Gespräch zum Training genutzt werden, auch wenn du das Training sonst ausgeschaltet hast.
Arbeitest du allein oder im Team?
Für Teams gibt es bei allen drei eigene Tarife mit gemeinsamer Verwaltung. Arbeitest du allein, reicht meist ein Einzel-Abo.
Was darf es kosten?
Preise und Tarife ändern sich oft, deshalb nenne ich hier keine. Schau direkt beim Anbieter nach, bevor du abschließt.
So gehe ich vor
Im Erstgespräch höre ich mir an, welche Aufgaben sich bei dir wiederholen. Danach suchen wir gemeinsam den passenden Weg und erst dann das Werkzeug. Manchmal ist das Ergebnis eine Automation ganz ohne KI. Auch das ist ein gutes Ergebnis.
Wie das konkret abläuft, steht auf der Seite KI für Selbstständige.
Häufige Fragen
Für die meisten Aufgaben nehmen sich ChatGPT, Claude und Gemini wenig. Sie wechseln sich immer wieder mit dem stärksten Modell ab. Entscheidend sind deine Aufgaben, die Tools, mit denen du schon arbeitest, und was mit deinen Daten passieren darf.
Das hängt von deiner Aufgabe ab, nicht vom Namen. Für Texte, Zusammenfassungen und Ideen liefern beide brauchbare Ergebnisse. Den Unterschied machen meist deine Vorgaben.
Das kannst du bei allen drei einstellen: bei ChatGPT über „Improve the model for everyone“, bei Claude über „Model Improvement“, bei Gemini über „Keep Activity“. In den Business-Tarifen ist Training laut den Anbietern standardmäßig aus.
Oft nicht. Wenn jedes Mal dasselbe passiert, reicht eine Automation mit einem Werkzeug wie n8n. KI lohnt sich dort, wo etwas verstanden oder formuliert werden muss.
Ein Werkzeug, mit dem du Abläufe zwischen verschiedenen Apps automatisierst, ähnlich wie Make oder Zapier.
Quellen
Abgerufen am 8. Oktober 2026.
- OpenAI Help Center: „Data controls in ChatGPT“
- Anthropic Privacy Center: „Is my data used for model training?“ (Claude Free, Pro, Max), Stand 16.03.2026
- Anthropic Privacy Center: „Is my data used for model training?“ (Claude for Work und API), Stand 19.08.2026
- Google: „Gemini Apps Privacy Hub“, Stand 24.09.2026
- Google: „Generative AI in Google Workspace Privacy Hub“, Stand 14.08.2026
- Google Workspace: „KI-Tools für Unternehmen“
- Anthropic Help Center: „Google Workspace-Konnektoren verwenden“
- OpenAI Help Center: „Connected apps in ChatGPT“
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